Inspiration Verpackung | Faszination Faltschachtel



Fachverband Faltschachtel-Industrie: „Für sie oder für ihn?“

Geschlechtsspezifische Wahrnehmung
von Karton und Verpackungsdesign

Prof. Dr. Uta Brandes, Professur für Gender und Design, Köln International School of Design (KISD), hat sich bereits 2001 - im Rahmen einer Projektarbeit "Für sie oder für ihn?" - mit unterschiedlichen Motiven von Frauen und Männern gegenüber Verpackungen, auseinandergesetzt. Ihre Thesen, Tipps und Informationen sind unverändert wertvoll und auffordernd. Es lohnt, sich mit Marketing Aspekten von Gender Design im Bereich Packaging auseinanderzusetzen und daraus entstehende Vorteile in der Vermarktung von Fast Moving Consumer Goods (FMCG) zu nutzen.

In vielen scheinbar neutralen Alltagsobjekten stecken geschlechtliche Kategorien – was bisher nicht genügend beachtet und vor allem noch nicht ausführlich genug analysiert worden ist. Diejenigen, die sich mit Gestaltung befassen, sollten den Gender Aspekt berücksichtigen, damit auch diese Perspektive ganz selbstverständlich mit in den Entwurfsprozess einbezogen wird. 

10 Thesen für die Packungsgestaltung "Für sie oder für ihn?"

  1. Die sozialen Geschlechterrollen wandeln sich. Männer und Frauen erobern in vielen Konsumbereichen typisches Terrain des anderen Geschlechts. Es entstehen Packagingbereiche, in denen „Unisex Verpackungen“ verstärkt gefragt sein werden.
  2. Gleichzeitig wünscht das Individuum, sich deutlich als Mann oder Frau darstellen zu können und auch so wahrgenommen zu werden. Zeitgemäße Verpackungskonzepte nehmen darauf Rücksicht.
  3. Zu den nachweislich erwünschten Zusatznutzen gehört, Emotionen auszulösen. Der Appell an die Geschlechtszugehörigkeit ist solch eine Form der emotionalen Ansprache.
  4. Wenn man bei einem Verpackungskonzept auf das Geschlecht der Adressatinnen oder Adressaten eingeht, ist das nicht nur eine Form der emotionalen Verkaufsförderung, sondern auch eine Gestaltungsdienstleistung, eine persönliche Geste: Man nimmt seine Kundschaft auch in ihrer geschlechtlichen Identität ernst und wichtig. Frauen legen darauf besonders viel Wert. Trendforschern zufolge wird Anerkennungsmarketing stark an Bedeutung gewinnen - die Verpackung kann hier viel leisten!
  5. Verpackungen haben mehr als drei Dimensionen, denn sie wirken auf die fünf Sinne. Sie haben kommunikative Funktionen, werden ganzheitlich wahrgenommen. Das gilt es künftig mehr zu berücksichtigen: durch haptische, olfaktorische und bei Bedarf sogar akustische Signale. Multisensorik ist ein wichtiger Faktor.
  6. Material ist nicht nur materiell. Es vermittelt hochwirksame Botschaften, es löst Assoziationen von immateriellen Idealen, Vorzügen, Merkmalen und Verhaltensweisen aus.
  7. Die ständige Ausdifferenzierung der Konsumstilgruppen erlaubt, den Kreis seiner Kundinnen oder Kunden durch bewusstes, wissenschaftlich fundiertes und zielorientiertes Packaging exakter denn je anzusprechen. Detaillierte Lösungen sind möglich, wenn biologische (Geschlecht) und soziologische (Charaktermerkmale, Ideale etc.) Aspekte mit einfließen.
  8. Die Art und Weise, wie Männer und Frauen Verpackungen „kontaktieren“, unterscheidet sich: Männer verhalten sich eher informationsorientiert und studieren zum Beispiel ausführlich die Verpackungsaufschriften. Frauen suchen intensiver den „sinnlichen“ Kontakt und setzen neben Augen und Händen unter Umständen auch die Nase mit ein. „Neutrale“ Verpackungskonzepte müssen beides berücksichtigen.
  9. Männer wählen weitaus häufiger spontan Markenartikel, Frauen muss man nicht nur an die Marken binden, sondern sie zu deren Verbündeten machen. „Weibliche“ Verpackungskonzepte leisten dem hilfreich Vorschub und sichern Marken Märkte.
  10. Modernes Packaging achtet darauf, Zusatznutzen zu bieten, wo dies nötig und sinnvoll ist. 

Downloads